viernes, 23 de diciembre de 2011

Brief der Einheit. Weihnachten 2011


IMMANUEL, GOTT MIT UNS
Brief der Einheit.
Weihnachten 2011

Liebe Schwester,
lieber Bruder,

Du hast Dich oft gefragt, woher diese unbändige Einsamkeit kommt, der wir Menschen ausgesetzt sind. Wir alle haben diese Wirklichkeit in uns selbst und in unserer unmittelbaren Umgebung erfahren und erkennen darin ein uns verbindendes Element. Die Einsamkeit ist tief im Menschenherzen verwurzelt, aber kauert auch in den Betongemäuern der Großstädte, was schmerzlich vor Augen liegt. Unzählige Menschen bezeugen diese in aller Deutlichkeit, andere leben sie still und versteckt. Für die einen ist es eine Einsamkeit voll von “wildem Getier” (Deut. 32, 10), in der die Angst vorherrscht, Erstarrung, Beklemmung, Bedrohung; in der menschliche Worte und Gesten der Nähe und des Mitfühlens rar sind. So ist der Mensch für sich alleine ungeschützt, mitten im Nichts, der Willkür ausgesetzt, er fühlt sich gezwungen, sich zu verteidigen oder gar zu verstecken. Wieviel Gewalt ruft diese Einsamkeit hervor, wieviel Rache bis in den Tod, wieviel Aggressivität! Andere wiederum leben eine Einsamkeit ohne Wegspuren (Psalm 107,4), ohne Richtung, ohne Orientierung, ohne Hinweisschilder. In dieser Einsamkeit verliert sich der Mensch oftmals, er weiß nicht, wohin er sich richten soll, weil er nicht weiß, woher er kommt, weshalb er hier ist, wer ihn gerufen und hierher gebracht hat. Und weil er nicht um seinen Ursprung weiß, weiß er nicht wozu und wohin. Wir alle kennen Menschen, die ohne Richtung unterwegs sind, ohne jemanden an ihrer Seite, der sie nicht nur begleitet, sondern ihnen auch den Weg weist. Die desorientierte Einsamkeit. Diese Einsamkeit ist uns allen so vertraut! Wieviel Verzweiflung ruft sie hervor! Und in dieser Verzweiflung, wieviel Flucht nach vorne, vielleicht nirgendwohin.

Der Mensch ist ein Hohlraum. Und dieses Ausgehöhltsein, das ihn ausmacht, ist ein Mangel, aber auch eine Anlage, eine Vorrichtung, die von einem Leben als Gefäß spricht, als Raum, der gefüllt werden will, der bewohnt werden will ... Wenn er nicht aufgefüllt wird, wenn der Hohlraum leer bleibt, fasst die Einsamkeit schließlich in ihm Fuß, nimmt traurig von ihm Besitz und wandelt in ihm die Existenzfrage immer mehr in einen Existenzzweifel um und in die feste Überzeugung der Nutzlosigkeit und Unnötigkeit unseres Lebens in dieser “weiten und fremden Welt”. Diese schmerzliche und beunruhigende Aushöhlung hat jedoch einen Sinn: Jemand wird kommen und sie bewohnen, Jemand, der Herr dieser Bleibe ist, der König dieser Stadt. Wenn dieser Hohlraum, der ausgerichtet ist als Wohnraum fuer Jemanden, also letztlich nicht bewohnt wird, wie soll man dann die Leere, die unnütze Aushöhlung ertragen?
Eine weitere Einsamkeit fügt sich diesen an, die maßloseste, die sich der Mensch mit der Geschichte seiner Loslösung von jeglicher Vormundschaft geschmiedet hat, indem er das, was unsere letztendliche Bestimmung war, bis ins Unendliche verzerrt hat: wie Gott zu werden bzw. ein Mitglied der Familie Gottes zu werden. Ich beziehe mich auf die unglückliche Verwaisung des Menschen. Sich von allen Vormundschaften loszumachen, gab den Anschein gewisser Freiheiten, hat uns aber in die schlimmste aller Einsamkeiten gestürzt: ohne Vater-Mutter, ohne Heim, ohne Dach, ohne Wände, ohne Fußboden. Dies hat eine Reihe von weiteren unersetzlichen Verlusten zur Folge: ohne Vater-Mutter gibt es auch keinen Bruder, keine Schwester, was sich wiederum auf jegliche andere Beziehung auswirkt. In dieser Welt wird nicht nur Gott gestrichen, sondern sie entmenschlicht sich in unmittelbarer Konsequenz und ruft die immer häufiger werdenden menschlichen Einsamkeiten hervor, die uns unausweichlich vor Augen liegen, sie hämmern auf uns ein durch ihre Gegenwart und fordern von uns, sei es auch stillschweigend, liebevolle Nähe, Trost, eine heilsame Umarmung.

Niemand in unserem inneren Hohlraum und niemand, der uns den Lebenssinn vermittelt, niemand in uns und niemand an unserer Seite ist der Gipfel einer unerbittlichen Einsamkeit.

Aus dieser enormen Bedürftigkeit dringt schließlich ein Ruf, diese selbe Not wird den Schoß der unsagbar verdorrten Erde öffnen und den erlösenden Regen erflehen. Aus diesem Land erhebt sich das Gebet des Psalmisten: “Denk an mich, Herr, such mich auf und bring mir Hilfe!” (Psalm 106, 4). Dies ist der Adventsruf, der Mensch ruft beharrlich jenen an, von dem er letzten Endes das dauerhafte Heil erhofft, die Heilung seines kranken Menschenherzens, die Erfüllung aller Liebes- und Gemeinschaftsfähigkeit, die er in sich trägt. Der Mensch ruft Gott an, von ihm besucht zu werden, denn es genügt ihm nicht, um seine Existenz zu wissen, wenn er ihm nicht begegnen kann, von “Angesicht zu Angesicht”, wenn kein Dialog möglich ist, keine lebendige Gemeinschaft mit ihm. Der Ruf des Menschen angesichts seiner Einsamkeit vereint sich schließlich und endlich mit dem ursprünglichen Wunsch Gottes, “es ist nicht gut, dass der Mensch alleine bleibt” (Gen 2, 18).

Die größte Gnade, die der Mensch empfangen hat, war Sein Kommen, nicht nur als Antwort auf das Flehen des Menschen, sondern vor allem als Wille Gottes, ihm zu begegnen, “wie er es im Voraus bestimmt hat” (Eph 1, 9). In der Person Jesu, seines Sohnes, besucht uns Gott und leitet gleichzeitig sein dauerhaftes Verbleiben unter uns ein. Die Menschwerdung und Geburt Jesu sind das Eingangstor zu dieser Gegenwart unter uns, und der Ort, den er aufsuchen wird, ist der Mensch selbst. In ihm wird Gott selbst Wohnung nehmen und seinen seit jeher existierenden inneren Hohlraum, seine Leere überreich füllen und gleichzeitig das Paradies wiederherstellen, aus dem der Mensch vertrieben wurde und in das er ihn zurückführt, um ihn mit Gnade und Zärtlichkeit zu überschütten. Es ist der Mensch selbst, zu dem Jesus, der Retter, kommt, um ihm die Liebe Gottes, des Vaters, weiterzugeben, so dass er diesen als lebendige Quelle jeglicher Liebe kennenlernt, der ihn aus seiner Verwaisung holt und ihn erfüllt in seinem einzigartig tiefen Bedürfnis, zu lieben und geliebt zu werden. So sind wir also nicht alleine, wir sind von Gott bewohnte Wesen, wir haben einen Vater, seine Liebe steht am Anfang und besteht für immer, er
wird nicht erlauben, dass wir uns ohne Weg und Orientierung verlieren, das wilde Getier der Angst und des Todes wird uns nichts anhaben können, denn Gott ist mit uns, er steht auf unserer Seite, er ist unser Bürge und Retter inmitten unserer schwierigen Umstände. Gott ist mit uns, sein Name ist Immanuel.

Das Kommen Gottes festigt die Bande, die uns Menschen mit ihm verbinden und eröffnet das Zeitalter einer convivio, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, die keinem Menschen in den Sinn gekommen ist” (vgl. 1 Kor 2, 9). Gott wollte mit dem Menschen zusammenleben (convivir), vom Lebensbeginn bis zu seinem Ende, die alltäglichen menschlichen Freuden kennenlernen und seine Schwierigkeiten, das Brot des Schweißes und der Felder mit ihm teilen, unsere Verbrechen auf sich nehmen und unsere schwache Hoffnung stärken. Gott hat sich in Jesus von Nazareth zu einem von uns gemacht, der Sohn Gottes, das fleischgewordene Wort. Wenn wir zur communio Dio berufen wurden, der Gemeinschaft mit Gott, so wurden wir doppelt reich beschenkt durch das Zusammenleben mit Gott, der convivio Dio, im Fleisch, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Auf diese Weise wird die communio mit Gott convivio und die convivio, ermöglicht durch die Enkarnation, wird zur endgültigen communio werden, der letztendlichen Erlösung des Menschen, des ewigen Lebens in Gott.

Diese convivio von Mensch und Gott gibt dem menschenlichen Zusammenleben Sinn, es wird zum Abbild und zur Frucht desjenigen, das im Schoß der Dreieinigkeit gelebt wird. Keine Einsamkeit ist uns Christen fremd und auch die Wege, die zu ihr führen, sind uns nicht gleichgültig. Deshalb müssen auch wir uns aufmachen, wo auch immer wir uns befinden, und die Menschen im Namen Gottes aufsuchen; handeln wir an ihnen, wie Gott an uns gehandelt hat. Der Weg Gottes zu den Menschen war die Liebe und diese wird auch der Weg für uns alle sein. Nähern wir uns jeglicher menschlichen Einsamkeit und verkünden wir die Gegenwart Gottes mitten unter uns, während wir gleichzeitig all das verurteilen, was diesen Weg unbegehbar für uns macht, was ihn verbaut, ihn abwertet, für nichtig erklärt, ihn in Vergessenheit geraten lässt, sei es tief in unserem Herzen oder in den Sozialstrukturen, in unseren Familien und Gemeinschaften oder auf unseren Straßen, in unseren Dörfern. Gott will zusammen mit dem Menschen leben und wir möchten gemeinsam mit ihm leben. In dieser gegenseitigen Bewohnung liegt der Sinn des menschlichen Lebens.

Ein frohes Weihnachtsfest des Immanuel!
In Verbundenheit
M. Prado und Comunidad de la Conversión (Gemeinschaft der Bekehrung)

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